Bild hat Venezuela vergessen

Am Montag gibt es in der ganzen Weltpresse nur ein Thema: Die Militäraktion der USA in Venezuela und die Entführung des dortigen Präsidenten Maduro. In der ganzen Weltpresse? Nein. Der Bildzeitung ist diese Geschichte auf ihrer Titelseite nicht eine Zeile, nicht mal ein Wort wert. Das hat die „Bild“ vermutlich nur mit der „Rätselwoche“ und der Zeitschrift „Landliebe“ gemein. 

Geissen toppt Maduro? Das schafft nur das unsympathische Boulevardblatt aus Berlin. Venezuela jedenfalls wird nicht mit einer Silbe erwähnt. Erst auf Seite gibt es dann einen Kasten mit spärlichen Informationen zu dem amerikanischen Militärcoup in Lateinamerika. Welche Themen hält die Bildredaktion für wichtiger? ein Kamel im „Schneezirkus“, „Attacken auf Bahnmitarbeiter“, „Weniger Blitze in Deutschland“, der FC Bayern München, „Gefängnis-Ausbrüche per Drohne“ und ein Hinweis auf eine Verstorbene bei dem Brandunglück in der Schweiz.  Die „Süddeutsche Zeitung“ dagegen hat praktisch auf den gesamten ersten drei Seiten ihrer Montagsausgabe nichts anderes als die Geschehnisse in Venezuela.

Mit journalistischen Relevanzkriterien und redaktionellem Handwerk hat das nichts zu tun. Wenn es also bis hierher noch eines Nachweises bedurft hätte, dass die „Bild“ ein eher journalismusfernes Medienunternehmen ist, dann wäre diese Bildausgabe vom 05.01.2025 dafür gut. 

Über Medienhektor 110 Artikel
Hektor Haarkötter, Prof. Dr., lehrt Kommunikationswissenschaft mit Schwerpunkt polit. Kommunikation an der Hochschule Bonn Rhein-Sieg.

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