
Die großen überregionalen Tageszeitungen hassen ihre AbonnentInnen, offenbar. Seit einem Update der hauseigenen Content-Management-Systeme (CMS) im letzten September lassen sich an IPads die E-Paper-Ausgaben der Süddeutschen Zeitung (SZ) und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) nicht mehr als pdf-Dokument herunterladen. Gerade diese Bezugsform ist für die User aber die attraktivste und für die Verlage die einträglichste. Völlig unverständlich!
Printauflagen sinken seit Jahren, während Werbeeinnahmen im klassischen Zeitungsgeschäft stark zurückgehen. E-Paper-Abos sind deshalb eine der wichtigsten stabilen Einnahmequellen im Digitalen. Sie sind oft teurer und margenstärker als reine Online-Abos mit Werbung. Für viele Verlage stellen sie darum ein wichtiges „Ersatzgeschäft“ für schrumpfende Printumsätze dar. Gerade bei Qualitätszeitungen wie der Süddeutschen Zeitung oder der FAZ finanzieren diese Abos einen erheblichen Teil des journalistischen Betriebs.
Umso unverständlicher, dass man den Download ausgerechnet an IPads verunmöglicht. Die Apple IPads sind die wichtigsten mobilen Geräte für alle Arten von journalistischen Produkten. Apple dominiert mit den IPads den Tabletmarkt: Weltweit haben bis zu 45% der Tablet-User ein Apple-Gerät. Apple-KundInnen sind auch besonders zahlungskräftig und darum eher bereit, die sehr teueren Kosten beispielsweise für ein solches digitales Zeitungs-Abo aufzubringen.
Es ist nicht so, dass die Downloads insgesamt nicht mehr möglich wären. An stabilen PC’s und unter Windows funktioniert der Download noch. Nur eben an Apple-Geräten im Browser Safari ist die Option schlichtweg „verschwunden“. Attraktiv ist der Download allerdings auch auf den alternativen Systemen nicht: Eine pdf-Version der aktuellen Ausgabe der SZ kommt auf über 100 MB — von Datensparsamkeit keine Spur. Vor dem Update des CMS lagen die pdf-Versionen im niedrigen zweistelligen MB-Bereich. Offensichtlich möchte man die eigenen AbonnentInnen nicht mehr.
Mehrfache Nachfragen bei der Hotline der FAZ brachten keine zufriedenstellende Antwort. Irgendwie bekam ich den Eindruck, dass man selbst nicht genau weiß, warum der Download neuerdings nicht mehr funktioniert.
Das Lesen der Zeitungsausgaben in den digitalen Apps ist für viele User keine Alternative: Zum einen haben die Apps oft eine sperrige Usability. Zum anderen haben die Apps selbst schon wieder Menüzeilen und anwendungsspezifische Felder, die den Bildschirm eines mobilen Geräts verkleiern und die Lektüre nicht so attraktiv machen. Schließlich ist der Download der pdf’s die einzige Möglichkeit, ein eigenes Zeitungsarchiv aufzubauen. Nur das macht das E-Abo zum vollwertigen Äquivalent zu einem Print-Abo.
Vielleicht wollen ja die großen Zeitungsverlage einfach keine LeserInnen mehr. Vielleicht haben sie sich damit abgefunden, dass das Geschäftsmodell Zeitung im Eimer ist und über kurz oder lang über den Jordan geht. Sie sind auf einem guten Weg dahin.
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